25 Jahre Sozialtherapeutische Wohnstätte Treuen

Jubiläum und ein nachdenklicher Moment….

Die Sozialtherapeutische Wohnstätte in Treuen feiert in diesen Tagen ihr 25 jähriges Bestehen. Sie war die erste ihrer Art in Sachsen. Betrieben von der Diakonie Auerbach gibt sie 16 Bewohnern nicht nur ein Dach über dem Kopf. Es war bewusst als kleine Einrichtung geplant, um den familiären Charakter zu ermöglichen.

Mit rund 70 Gästen wurde am Dienstag, 24.09. das Jubiläum gefeiert.

Bürgermeisterin Andrea Jedzig wies darauf hin: „Die Wohnstätte und ihre Außenwohngruppe in der Alten Post sind mitten in der Stadt. Sie sind selbstverständlicher Bestandteil unseres Stadtbildes. Hier wurde der Gedanke der  Inklusion schon umgesetzt, als er noch nicht in aller Munde war.“

Der prominenteste Gast war Kurt Biedenkopf. Als Ministerpräsident hatte er vor 25 Jahren die Sozialtherapeutische Wohnstätte eingeweiht. Vieles unterscheidet sich zu damals. Einst mit Hubschrauber eingeflogen, großer Tross an Mitarbeitern und Sicherheitsbeamten, genaues Protokoll und festgelegte Route und Absperrungen selbst in der Einrichtung, Sprengstoffhunde suchten das Haus ab…. Heute reist er im Alter von 89 Jahren mit der Deutschen Bahn an, und trotz Schienenersatzverkehr und einer Verspätung von weit über einer Stunde, die Jubiläumsfeier hatte längst begonnen -  war er alles andere als getrieben….

Kurt Biedenkopf

In den zwanzig Minuten seiner Rede erleben die Zuhörer einen nachdenklichen und einen alterweisen Mann mit viel Lebenserfahrung. Mit Blick auf die Mitarbeiter der Wohnstätte beschreibt er: „Was mich beeindruckt, sind die Menschen, die sich denen widmen, die sie brauchen. Das ist praktisch ein Signal an die Gesellschaft: Denkt nicht so viel an Geld, denkt nicht so viel an Macht. Denkt an die Menschen, die Euch brauchen. Nicht in dem Sinne, dass eine Aufgabe einfach erledigt wird, sondern in dem Sinne, dass ihr eine Chance habt, euer eigenes Leben zu leben und zu verstehen.“

Biedenkopf weist darauf hin, dass es in Sachsen nicht viele Sozialtherapeutische Einrichtungen gibt. „Und ich finde dass diese Einrichtung als Vorbild gesehen wird. Und ich wünsche mir dass man das tut. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die ständige Veränderung der Gesellschaft durch Naturwissenschaften, Ökonomie und Technik - diese ständige beschleunigte Entwicklung -  immer mehr Menschen überfordern wird.“ Er berichtet von seinem amerikanischen Freund und Politiker Henri Kissinger,  der seine Sorge zum Ausdruck brachte, „ob die westliche Denkweise und die Offenheit gegenüber Problemen ausreichen wird, um mit dem Tempo der Veränderung in unserer Gesellschaft Schritt zu halten. Das bedeutet aber auch, dass in Einrichtungen wie diese hier in Treuen Erfahrungen gemacht werden, die wir in Zukunft vermutlich brauchen werden. Die Sozialtherapeutische Erfahrungen hier werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen.  Sie reichen über diese Einrichtung hinaus.“

„Wenn ich im Zug sitze, sehe ich Menschen mit ihrem Handy vor Augen -  jeder für sich völlig abgeschlossen und beschäftigt. Keine Gespräche mehr. Natürlich kann man sagen, das ist alles ok. Aber wir werden die Erfahrung machen, dass es auf Dauer nicht funktioniert. Die geistige und seelische Ebene den Lebens kann man auf Dauer nicht wegschieben.“ Biedenkopf ging auf die Rolle von Kultur ein und freute sich, dass auch in der Einrichtung zum Beispiel noch gemeinsam gesungen und musiziert wird.

Zum Ausklang spielte Florian Korrn „Ode an die Freude“. Er ist  Bewohner der Wohnstätte und spielt bei den „Gottesdiensten in einfacher Sprache“ welche die Diakonie mehrmals im Jahr in den verschiedenen Kirchengemeinden  anbietet, die Orgel. 

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